Kurzantwort: Für die Anmeldung am Gymnasium braucht es in Baden-Württemberg den Elternwillen und zusätzlich entweder die entsprechende pädagogische Gesamtwürdigung der Klassenkonferenz oder das passende KOMPASS-4-Ergebnis. Liegt beides nicht vor, kann der Potenzialtest einen zusätzlichen Zugang eröffnen. Eine frei kursierende Prozentzahl ersetzt die offizielle Rückmeldung nicht.
KOMPASS 4 ist ein Baustein von NAVi 4 BW, dem neuen Aufnahmeverfahren in Klasse 4. Das Verfahren verbindet Testdaten, kontinuierliche schulische Beobachtung, Beratung und Elternentscheidung. Dieser Beitrag erklärt die Logik, ohne eine individuelle Schullaufbahnempfehlung zu ersetzen.
Das Modell verständlich erklärt
Für den Gymnasialzugang gilt vereinfacht:
| Baustein | Rolle |
|---|---|
| Elternwille | erforderlich |
| Pädagogische Gesamtwürdigung der Klassenkonferenz | kann die zusätzliche Voraussetzung erfüllen |
| KOMPASS-4-Ergebnis | kann alternativ die zusätzliche Voraussetzung erfüllen |
| Potenzialtest | zusätzliche Möglichkeit, wenn weder Klassenkonferenz noch KOMPASS 4 die entsprechende Prognose ergeben |
Die oft verwendete Kurzform „2 aus 3“ meint: Neben dem Elternwillen genügt entweder die Klassenkonferenz oder KOMPASS 4. Der Potenzialtest ist ein weiterer Weg, wenn diese beiden schulischen Bausteine nicht für das Gymnasium sprechen.
Warum Prozentgrenzen aus dem Internet riskant sind
Eltern suchen verständlicherweise nach „Wie viel Prozent braucht man bei KOMPASS 4?“. Eine pauschale Zahl ist jedoch keine belastbare Grundlage:
- Bewertungs- und Auswertungsmaßstäbe können sich ändern.
- Rohpunkte, Kompetenzstufen und die bescheinigte Eignung sind nicht dasselbe.
- Beiträge aus 2024 oder 2025 können auf einer anderen Fassung beruhen.
- Eine individuelle Rückmeldung enthält die für die Anmeldung relevante Aussage.
Fragen Sie deshalb nicht nur: „Wie viele Punkte?“, sondern: „Welche Aufnahmevoraussetzung bestätigt das offizielle Blatt?“
Pädagogische Gesamtwürdigung
Die Klassenkonferenz betrachtet nicht nur eine einzelne Klassenarbeit. Nach den FAQ des Kultusministeriums fließen insbesondere die in Klasse 4 gezeigten Leistungen sowie überfachliche Kompetenzen ein. Grundlage sind kontinuierliche und differenzierte Beobachtungen.
Das ist wichtig, weil ein Kind an einem Testtag müde, krank oder besonders angespannt sein kann. Umgekehrt zeigt ein gutes Testergebnis allein noch nicht, welche Lernumgebung langfristig passt. Das Beratungsgespräch sollte deshalb Stärken, Arbeitstempo, Selbstständigkeit, Motivation und Unterstützungsbedarf gemeinsam betrachten.
Die Ergebnisunterlagen lesen
Gehen Sie in dieser Reihenfolge vor:
- Alle Blätter vollständig lesen.
- Die Bestätigung zur Aufnahmevoraussetzung identifizieren.
- Fristen und nächste Schritte markieren.
- Unklare Begriffe im Beratungsgespräch klären.
- Kopien für die Anmeldung sicher aufbewahren.
Notieren Sie vor dem Gespräch konkrete Fragen:
- Welche Stärken zeigen sich über längere Zeit?
- Wo braucht mein Kind noch viel Anleitung?
- Wie arbeitet es bei komplexeren Aufgaben und höherem Tempo?
- Welche Schulart passt zum Lernverhalten, nicht nur zum aktuellen Wunsch?
- Welche Frist gilt für einen möglichen Potenzialtest?
Wann kommt der Potenzialtest ins Spiel?
Der Potenzialtest wird an Gymnasien durchgeführt. Er kann relevant werden, wenn der Elternwille auf das Gymnasium gerichtet ist, aber weder die Klassenkonferenz noch KOMPASS 4 die entsprechende Prognose ergeben.
Für 2026/2027 nennt das IBBW:
- Haupttermin: 23. Februar 2027
- Nachtermin: 2. März 2027
Die Anmeldung folgt einem formalen Verfahren und kann kurze Fristen haben. Maßgeblich sind die aktuelle Rückmeldung und die Anweisungen der Schule. Warten Sie bei Interesse nicht auf allgemeine Internetinformationen, sondern wenden Sie sich direkt an Grundschule oder zuständiges Gymnasium.
Was passiert bei Krankheit?
Für KOMPASS 4 gibt es offizielle Nachtermine:
- Deutsch: 25. November 2026
- Mathematik: 26. November 2026
Kann ein Kind auch den Nachtermin aus einem anerkannten Grund nicht wahrnehmen, gibt es laut den offiziellen FAQ keinen weiteren Nach-Nach-Termin. Der Zugang zum Gymnasium kann dennoch über die pädagogische Gesamtwürdigung oder den Potenzialtest möglich sein. Melden Sie Krankheit sofort nach den Regeln Ihrer Schule und bewahren Sie erforderliche Nachweise auf.
Eine gute Entscheidung ist mehr als ein Testwert
Eine passende weiterführende Schule sollte das Kind fordern, ohne es dauerhaft zu überlasten. Betrachten Sie deshalb:
- Freude an komplexeren Aufgaben,
- Selbstständigkeit bei Hausaufgaben,
- Umgang mit Fehlern und Rückschlägen,
- Lesetempo und Textverständnis,
- mathematische Grundvorstellungen,
- Konzentration über längere Phasen,
- Bereitschaft, Unterstützung anzunehmen,
- Fahrweg, Ganztag und Schulprofil.
Die Entscheidung ist keine Rangliste von Schularten. Baden-Württemberg bietet durchlässige Bildungswege. Ein passender Start ist wichtiger als ein Statussymbol.
So sprechen Eltern mit ihrem Kind
Vermeiden Sie Sätze wie „Wenn du das nicht schaffst, kannst du nicht aufs Gymnasium“. Sachlicher ist:
- „Der Test zeigt einen Teil von dem, was du schon kannst.“
- „Wir schauen gemeinsam mit deiner Lehrkraft, welche Schule gut zu dir passt.“
- „Ein Ergebnis ändert nichts daran, dass Lernen manchmal leicht und manchmal schwer ist.“
Wenn das Kind enttäuscht ist, nehmen Sie das Gefühl ernst, ohne sofort über Punkte zu verhandeln. Erst die vollständige Rückmeldung und das Beratungsgespräch liefern den Kontext.
Vorbereitung nach dem Ergebnis
Unabhängig von der Schulwahl helfen stabile Grundlagen. Der Deutsch-Beitrag und der Mathematik-Beitrag zeigen, wie Kompetenzen ohne kurzfristigen Drill weiterentwickelt werden können.
Ein Lernprogramm darf eine Schulberatung ergänzen, aber nicht ersetzen. Es kann weder eine bestimmte Empfehlung noch die Aufnahme garantieren.
Offizielle Quellen
Stand: 23. August 2026.
TestBooster ist ein unabhängiger Anbieter. Bei Abweichungen gelten ausschließlich die offiziellen Unterlagen und die Auskunft der zuständigen Schule.